Vorhabensbeschreibung
für EXIST -III
Projektname:
Gründerklinik Lübeck
Durchführung: Uni Lübeck
und CEMET GmbH
Kooperation: UK-SH, Campus Lübeck
FH Lübeck
AGMT Arbeitsgemeinschaft
Medizintechnik
I. Ziele
Die Gründerklinik Lübeck
zielt ab auf die Übersetzung von Sensibilisierungs - und Motivierungsmaßnahmen
aus EXIST-II (sog. „präklinische Beratung“) in eine sehr frühe Implantation von
gründungsrelevanten Prozessen und Strukturen in Forschungsprojekte aufgrund einer
sorgfältigen Prüfung des latenten oder tatsächlich erkennbaren Gründungspotentials
(sog. „präoperative Diagnostik“) insbesondere von klinischen Vorhaben im Bereich der Medizin,
LifeSciences und Medizin-/Bioinformatik.
Es werden gezielt und
systematisch Eingriffe und Projektveränderungen zur Verbesserung der Gründungschancen im
Zuge von wissenschaftlichen Forschungsprojekten ergriffen (sog. „operative
Versorgung“). Ausgründungen werden bereits in späten Projektphasen eingeübt und systematisch
umgesetzt (sog. „Intensivpflege im Inkubator“) sowie in die EXIST-Seed-Phase übergeleitet.
Die notwendigen Tools
und Pilotanwendungen (Best-Practice-Berichte und Evaluierungsreports)
werden in einem Gründerklinik-Portal aufbereitet. Zielgruppe sind der Metapher Gründerklinik
entsprechend biomedizinisch orientierte Universitätsinstitute (inkl. Informatik,
Medizintechnik, rote Biotechnologie) und Universitätskliniken. Die Integration
der Gründerklinik in das
regionale Cluster Life Science Nord der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg sichert die
aktive Unterstützung aus der Wirtschaft, u.a. durch die Arbeitsgemeinschaft
Medizintechnik.
Angestrebt wird die
nachhaltige Institutionalisierung der Gründerklinik im Kontext der Transferaktivitäten der
Universität Lübeck und in Verbindung mit der Wirtschaft der Region. Entsprechende
Absichtserklärungen zur Unterstützung des Vorhabens liegen vor. Mit dem Projekt
Gründerklinik wird die dauerhafte Verankerung und projektorientierte Umsetzung einer Kultur
der unternehmerischen Selbstständigkeit zur Stärkung des Gründungsgeschehens an
der Universität Lübeck sowie dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein,
insbesondere Campus Lübeck, sowie den dort engagierten Forschungseinrichtungen
angestrebt. Der Modellcharakter und die Vorbildfunktion liegt darin, dass der
neuartige Ansatz einer frühzeitig einsetzenden und intensiven Projektbegleitung
von wissenschaftlichen Forschungs- und Entwicklungsprojekten – typischerweise
noch ohne selbstständigen Impuls
der Beteiligten zu einer Gründung - zur Unternehmensgründung verfolgt wird. Erst im
Zuge der Projektbearbeitung soll durch ein geeignetes Coaching die Voraussetzung erarbeitet
werden, wissenschaftliche Projektergebnisse auf eine ökonomische Verwertung
in Unternehmensgründungen hin zu optimieren.
Statt
„end-of-the-pipe“-Gründungen am Ende von F+E-Projekten soll der notwendige
Impuls und die resultierenden
Projektanpassungen an den Beginn solcher Projekte gelegt werden, weit vor der
eigentlichen Konkretisierung von Gründungsabsichten der Beteiligten. Dem aktuell diskutierten
Dilemma, dass die deutsche wissenschaftliche Forschung auf hohem Niveau stattfindet,
jedoch ein evidentes Umsetzungsdefizit in ökonomischen Erfolg besteht, soll mit dem Vorhaben
Gründerklinik systematisch entgegengewirkt werden.
II. Arbeitsziele des Vorhabens
Mit dem Projekt wird die
Entwicklung und Erprobung von organisatorischen Unterstützungsstandards
für die gründerorientierte Projektbegleitung wissenschaftlicher Forschungs- und
Entwicklungsvorhaben verfolgt. Hierzu werden neben Prozessbeschreibungen im
Sinne von SOP (Standard Operation Procedures) instrumentelle Anwendungshilfen im
Hinblick auf Checklisten und Verfahrensanweisungen und deren elektronische
Verfügbarkeit im Rahmen von Projektmanagementsoftware entwickelt. Die Erprobungen werden als
evaluierte Best Practice Berichte verfügbar gemacht und in einem Gründerklinik-Portal
bereitgestellt.
Die notwendige
Vermittlung und Anleitung von fachlicher Expertise durch wissenschaftliche, technische und
kaufmännische (Business) Experten wird durch eine kleine Datenbanklösung unterstützt. Die
Kommunikation von Projektbeteiligten und Coaches wird durch die gründerorientierte
Projektmanagement-Software im Sinne eines CSCW (Computer Supported Cooperative
Work) unterlegt. Mit den genannten operativen Arbeitshilfen sollen geeignete
wissenschaftliche Projekte im Sinne der Gesamtzielsetzung der Gründerklinik begleitet werden.
III. Stand der Technik
Der Stand der Technik
kann mit der o.g. „end-of-the-pipe“-Gründung zutreffend charakterisiert werden.
Wissenschaftliche Vorhaben sind an der Klärung rein fachlicher Fragestellungen
orientiert. Das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse und die wissenschaftlichen
Erfolgsmaßstäbe insbesondere betreffend Veröffentlichungen für wissenschaftliche
Karrieren stehen im Vordergrund der Projektperspektive. Gründungsabsichten
ergeben sich eher zufällig („by accident“), wenn – möglicherweise durch Sensibilisierungs-
und Motivierungsmaßnahmen positiv angesprochene – Projektbeteiligte eine
ökonomische Verwertung von Projektergebnissen doch in Erwägung ziehen.
Deren Beratung und
Unterstützung ist ebenfalls Stand der Technik, setzt jedoch häufig viel zu spät ein, um
notwendige Entwicklungs- und Evaluierungsaufgaben noch innerhalb kurzer Restlaufzeiten von
Projekten durchführen zu können, geschweige denn vorbereitende Aktivitäten für einen
Markteintritt vornehmen zu können. Nur bei einer signifikanten Vorverlagerung einer
gründungsorientierten Projektbegleitung – die i.a.R. nicht stattfindet – kann erwartet werden,
dass auch wissenschaftliche Projekte in geeigneter Weise die Verwertung in
Gründungsvorhaben systematisch adressieren. Das Projekt Gründerklinik überschreitet deshalb
bei Weitem den Stand der Technik von „end-of-the-pipe“- Gründungsunterstützungen.
Aufbauend auf konkreten
Vorarbeiten sollen weitere neue wissenschaftliche Projekte nunmehr systematisch und
instrumentell unterstützt (inkl Identifizierung geeigneter Projekte) für Ausgründungen
unterstützt werden und eine Multiplizierung und Skalierung der dabei gemachten Erfahrungen
ermöglicht werden. Der Zugang zu solchen Projekten wird über maßgebliche Promotoren
der Universität und des Universitätsklinikums auf Rektorats- bzw. Vorstandsebene
unterstützt, für die fachliche Unterstützung ist ein breites Unterstützungsumfeld
gegeben.
Fazit:
Die herausragenden
Besonderheiten des Ansatzes der Gründerklinik ergibt sich vor allem aus der
Fokussierung auf den Bereich der Life Science, der systematischen Prozessführung von
Forschungsprojekten im Hinblick auf Gründungsvorhaben sowie der zentralen
Koordination im Sinne einer One-Stop-Agency im Hinblick auf eine heterogene
Prozessunterstützung von Seiten der Technologie (Hochschulen), Anwendung (Kliniken) und
Marktorientierung (Unternehmen).